![]() | ||||||||||
![]() | ||||||||||
![]() | Kreisverband Löbau-Zittau | |||||||||
|
InterViewBildung2004
Das folgende Interview entstand Mitte Juni während einer Schüler-Hausarbeit. Die Schulen als Billigvariante?Interview mit der Bildungspolitischen Sprecherin der sächsischen Grünen.Meine erste Frage: Haben Sie in unserem Landkreis einen Kandidaten für die Europawahl? Nein für den Landkreis gibt es keinen Europawahlkandidaten. Es gibt beiden Grünen eine Bundesliste und auf dieser Bundesliste sind zwei sächsische Kandidaten. Einmal Gisela Kallenbach aus Leipzig, die steht auf einem sicheren Listenplatz, die kommt garantiert ins Europaparlament. Auf Listenplatz zwölf Mila Horatschek. Der - na ja, wenn er Glück hat - ins Europaparlament kommt. Also wie gesagt, es ist eine bundesweite Liste, auf der in ganz Deutschland alle Menschen ankreuzen können. Aus dem Landkreis, das wäre ein bisschen vermessen, da haben wir nicht solche hochkarätigen Politiker. Sonder das sind dann wirklich Leute die schon jahrelange Erfahrungen haben, die vorher schon in Parlamenten gesessen haben. Was sind ihrer Meinung nach die wichtigsten Punkte für die Europawahl? Im Europawahlprogramm geht es ja insbesondere um Nachhaltigkeit. Und da sind drei Faktoren, würde ich denken, die eine ganz, ganz wichtige rolle Spielen: Auf der einen Seite, das ist ganz klar, ist das die Friedenspolitik im weitesten Sinne. Dann ist das die Europäische Verfassung die ansteht zur Beschlussfassung und das sind natürlich Umweltschutzaspekte, die die Grünen natürlich immer nach vorne tragen, unter anderem auch Genfood. Und nun zur Kreistagswahl: Welche Kandidaten haben Sie aufgestellt? Wir haben für unsere Kreistagswahl neun Wahlkreise und in jedem Wahlkreis haben wir mindestens einen Kandidaten. Wir haben in Zittau beispielsweise in eine Wahlkreis den Sprecher unseres Kreisverbandes, Horst Schiermeyer, in Seifhennersdorf kandidiert Burkhard Gocht, unser Kreiskassierer. In meinem Heimatort Bernstadt kandidiert Daniel Ludwig. Ich selber kandidiere in Herrnhut. Nicht alle Kandidaten sind Parteimitglieder. So haben wir beispielsweise zwei parteilose Frauen in Löbau. Die engagieren sich in der Arbeit mit Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Was haben Sie sich vorgenommen, falls Sie in den Kreistag gewählt werden? Ich persönlich oder die Grünen an sich? Die Grünen an sich. Die Grünen haben ja mehrere Themen. Das Thema öffentlicher Personennahverkehr, da geht es uns insbesondere darum, dass wir eine Verbesserung der Anbindung an die Schiene durch den Bus realisieren. Aber auch dass es bessere Möglichkeiten gibt, nachts über die Dörfer zu fahren, beispielsweise mit Sammeltaxi. Dann ist die Bundesstraße 178 - schneller Ausbau - nach wie vor ein Thema. Darüber hinaus haben wir immer noch das Thema Bildung ganz oben auf der Tagesordnung. Das ist zwar ein Landespolitisches Thema, wenn es um die Strukturen geht. Aber die Verantwortung des Landkreises liegt beispielsweise darin, die Schulnetzplanung zu bestimmen. Das ist eine Frage von Schulstandorten und der Landkreis ist auch verantwortlich für die Schülerbeförderungssatzung und da würde ich denken, haben wir dann auch ein Wörtchen mitzureden. Thema Schule: Wie stellen sich die Grünen im Landkreis die Weiterentwicklung der Schulen, speziell der Gymnasien vor? Wir haben ja im Moment vier Gymnasialstandorte: Seifhennersdorf und Herrnhut als, ich sag mal in Anführungsstrichelchen, "Wackelkandidaten" und als sichere Standorte Löbau und Zittau. Wir hoffen ja inständig, dass zum August 2005 das Gymnasium Herrnhut aus der Trägerschaft des Landkreises in die private Trägerschaft der evangelischen Brüderunität überführt wird und damit dieses Problem gelöst wird. Bleibt immer noch der Standort Seifhennersdorf. Da mussten wir ja vor zwei Wochen eine große Schlappe hinnehmen, weil das Kultusministerium die Bildung von fünften Klassen versagt hat. Nun ist die Frage, ob man gegenüber dem Kultusministerium glaubhaft begründen kann, dass die unzureichende Schülerzahl nur eine vorübergehende Erscheinung ist, oder ob dieser Mitwirkungsentzug darauf hinausläuft, den Schulstandort zu schließen. Als Grüne wollen wir so viele Schulen wie möglich im Landkreis haben. Unser Motto ist ja: "Kurze Wege für kurze Beine." Wir wollen nicht, dass die Schüler den halben Tag im Schulbus verbringen, sondern dass sie nach der Schule eben auch noch mit ihren Freunden durch die Gegend sausen können. Und da denke ich, ist das Gymnasium Seifhennersdorf für die nächste Legislaturperiode hier im Landkreis eines der Themen, die ganz, ganz oben auf der Tagesordnung stehen werden. Nächstes Jahr wird das Humboldt-Gymnasium in Ebersbach geschlossen. Ja. Wie stellen Sie sich denn den Schülertransport vor? Ja, das ist das, was ich eben angedeutet habe. Ebersbach ist ja nur ein Teilproblem, das auch mit Seifhennersdorf zusammenhängt. Wir haben ja auch noch Mittelschulstandorte, die möglicherweise zur Schließung anstehen. Ich halte das für ein ganz großes Problem, das meiner Meinung nach aber auf Landesebene gelöst werden muss. So lange wir das Schulgesetz so haben, wie es ist, das von der CDU mit ihrer Mehrheit so verabschiedet worden ist im Landtag, wird sich da nichts ändern. Das wird eher noch schlimmer werden. Da haben wir das Problem: Wir haben hoch modern eingerichtete Schulen, die irgendwann leer sind und die Kinder werden den ganzen Tag lang über Land verschickt und fahren mit dem Schulbus von einem Ort zum nächsten und zum übernächsten. Wir Grünen denken eher: Da muss man etwas grundsätzlich ändern. Das bedeutet für uns, dass wir uns auch bei der Landtagswahl engagieren. Und da haben wir ganz andere Konzepte. Da sagen wir nämlich: Lieber kleinere Klassen. Wir wollen die Mehrzügigkeit der Gymnasien und Mittelschulen aufweichen, wir wollen praktisch, dass in jedem Ort eine Schule ist. Aber das ist wie gesagt nichts, was vor Ort im Kreis entschieden wird, sondern das wird auf Landesebene entschieden. Deshalb ist es wichtig, dass die Grünen auch in den Landtag kommen. Zur letzten Frage: Bei welcher Zahl wollen die Grünen im Land Sachsen die Klassenstärke fest machen? Wir wollen die maximale Klassenstärke auf 24 Schüler begrenzen. Im Moment haben wir ja einen Klassenteiler von 29, mit Ausnahmegenehmigung sogar 33. Das ist natürlich eine Sache, die ist für's Land, insofern also aus CDU-Sicht, ganz charmant, weil man, wenn man die Klassen voll macht, natürlich entsprechend weniger Lehrer braucht, weniger Schulen unterhalten muss und das macht das Ganze billig. Wir wollen aber keine Billigvariante im Schulwesen, sondern wir wollen ein hochkarätiges, formvollendetes Schulwesen und das kostet Geld. Aber das ist uns die Sache wert. Ich danke Ihnen für das informative Gespräch. Es war mir ein Vergnügen. Das Interview führte Andreas Gocht, 8. Klasse am Humboldt-Gymnasium Ebersbach
|
|||||||||