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Wir wollen weiter Hilfe leisten

Sächsische Zeitung Ausgabe Zittau
19. September 2007

Herr Schiermeyer, wie haben Sie am Bundesparteitag abgestimmt?

Ich war wie die Mehrheit dafür, die Anti-Terror-Operationen in Afghanistan zu beenden, die Aufklärungs-Tornados der Bundeswehr sofort zurückzuholen und mit Isaf zum ursprünglichen Sicherungsauftrag zurückzukehren.

Warum?

Weil die bislang vorrangige militärische Strategie aller Wahrscheinlichkeit zum Desaster führt.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Nehmen Sie nur die Zunahme der Bombenanschläge. Selbst in einst als ruhig geltenden Gebieten erleben wir ein Wiedererstarken der Taliban.

Aber muss man nicht für Sicherheit im Lande sorgen?

Ja. Aber die Frage ist, wie der zivile Aufbau befördert werden kann.

Wenn links und rechts Bomben hochgehen, ist doch auch ein ziviler Aufbau kaum möglich.

Die Frage ist doch, wie man diese Anschläge verhindern kann. Selbst Institutionen mit einem positiven Image wie die deutsche Bundeswehr werden zunehmend als Kriegspartei wahrgenommen.

Nach Ihrer Logik bräche Frieden aus, wenn alle ausländischen Soldaten das Land verlassen.

Nein. So geht es natürlich nicht, aber die Alliierten müssen ihre Strategie ändern. Wir wollen, dass der zivile Aufbau intensiviert wird, das muss auch militärisch abgesichert sein. Zum anderen sollten aber in Verhandlungen mit allen Machtgruppen in Afghanistan, auch den Taliban, Lösungen für einen Frieden erzielt werden.

Und deshalb sollen jetzt die Grünen im Bundestag gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan stimmen?

Es gibt bestimmte Punkte, an denen man sagen muss, so nicht. Denken Sie nur an die deutsche Haltung zum Irak-Krieg, die sich auch im Nachhinein als völlig richtig gezeigt hat. Ich erwarte, dass die Fraktion im Bundestag dem Einsatz so nicht zustimmt. Dass die Abgeordneten sich ihrer Stimme enthalten, wäre mir recht. Ein Nein wäre mir sympathischer.

Glauben Sie, dass die Menschen diese Haltung der Grünen verstehen werden?

Die Lage in Afghanistan ist nicht einfach, so können auch unsere Entscheidungen nicht einfach sein. Viele Bürger meinen, was machen wir überhaupt dort? Das ist nicht unsere Haltung. Deutschland hat sich dort mit eingemischt, jetzt können wir die Afghanen nicht einfach allein lassen.

Interview: Sebastian Beutler



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